P e t i t i o n
Erhaltet den Busknoten Neumarkt und den Ruhepol Johannisfreiheit!
Keine Mehrbelastung der Johannisstraße!
Stellungnahme zur geplanten Veränderung aus verkehrswissenschaftlicher Sicht
Osnabrück ist der Prototyp eines sternförmigen Stadtbussystems mit Durchmesserlinien, die sich im Stadtzentrum kreuzen. Dort besteht die Möglichkeit zum Umstieg, so dass alle Bereiche der Stadt mit höchstens einem Umstieg zu erreichen sind. Querverbindungen (wie die sog. Ringlinie) und weitere Linienverknüpfungen sorgen darüber hinaus für umsteigefreie Verbindungen zwischen den äußeren Stadtbezirken. Mit über 200 ÖPNV-Fahrten pro Einwohner und Jahr nahm Osnabrück unter den Großstädten mit reinem Busverkehr eine Spitzenposition ein. Als Rendezvous-System hatte dieses Konzept in den 1990er Jahren zu einer Renaissance des ÖPNV in Mittel- und Kleinstädten geführt.
Jede Abweichung von einem zentralen Verknüpfungspunkt mindert die Attraktivität des jeweiligen ÖPNV-Angebots. In Osnabrück ist so manche Gelegenheit, die Haltestellen am Neumarkt näher zusammenzuführen, im Widerstreit der Interessen verpasst worden. Doch was jetzt geplant ist, spaltet den Busknoten Neumarkt in zwei voneinander weit entfernte Verknüpfungspunkte. Lange Wege zwischen den Haltestellen machen Umsteigeverbindungen noch unattraktiver. Die abendliche Anschlusskreuzung, also die Gewährleistung aller Umsteigeverbindungen im 30-Minuten-Takt, wird es dann nicht mehr geben. Viele der 43.000 Fahrgäste, die täglich am Neumarkt ein- und aussteigen, sind potenziell betroffen.
Die geplante Linienführung über die Johannisfreiheit verlängert den Fahrweg der Busse und erhöht somit deren Betriebskosten. Da das geplante „Zukunftsnetz ÖPNV“ der Stadt aus Kostengründen die bisherige Jahresfahrleistung der Busse (6,7 Mio. Fahrzeug-km) nicht übersteigen soll, verhindern die Mehrkosten für die Umfahrung des Neumarkts notwendige Verbesserungen beim Fahrtenangebot. An warnenden Hinweisen von ÖPNV-Experten und seitens der Stadtverwaltung hat es bisher nicht gefehlt. Nicht einmal der Ratsbeschluss, bis 2040 den Busanteil in der Stadt von 9 auf 12 Prozent zu erhöhen, wäre umsetzbar. Um Klimaneutralität auch im Bereich Mobilität/Verkehr zu erreichen, wäre dem „Vorreiterkonzept Klimaschutz“ zufolge aber ein Busanteil von über 20 Prozent notwendig.
In einer Beschlussvorlage für den Stadtrat zur Umgestaltung des Neumarkts (Oktober 2025) wird unterstellt, dass diese Maßnahme keinerlei Auswirkungen auf die Integrations-/ Gleichstellungspolitik der Stadt, den Klimaschutz sowie den Wirtschaftsstandort Osnabrück habe. Erhebliche Erschwernisse beim Umsteigen, erhöhte CO2-Emissionen durch den erzwungenen Mehrverkehr der Busse sowie die Position der Osnabrücker Kammern und Wirtschaftsverbände von 2016, wonach der Neumarkt „als Verkehrsachse unverzichtbar“ sei, stehen im Widerspruch zu dieser Einschätzung.
Der genannten Beschlussvorlage ist weiter zu entnehmen, dass neben diversen Fördermitteln des Landes auch die „Förderung des historischen Platzes am Neumarkt“ durch die EU-Kommission beantragt werden soll, was angesichts der geplanten Zerstörung des einzigartigen historischen Erbes der Osnabrücker Neustadt wie Hohn klingt.
Dr. Jürgen Deiters
Professor für Wirtschaftsgeographie i.R. der Universität Osnabrück
