Offener Medizinerbrief
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer der Petition gegen die Neumarktumfahrung,
die Argumente gegen eine Bustrasse durch die Johannisfreiheit haben auch viele Ärzte und Ärztinnen überzeugt, die eine Belastung der Krankenhäuser Marienhospital und Christliches Kinderhospital ablehnen. Geplant ist nach aktuellem Stand, unmittelbar an beiden Krankenhäusern entlang bis zu 800 Busse täglich zu führen - das wäre ca. ein Bus pro Minute!.
Welche Gefahren und medizinischen Folgen zu befürchten sind, haben jetzt vierzehn Ärzte in einem Offenen Medizinerbrief zusammengefaßt. Potenziell betroffen wären viele Tausend Patienten, darunter die jährlich über 5000 besonders schutzbedürftigen Patienten im Kindesalter im Kinderhospital. Ebenso betroffen ist das Hospiz.
Bitte leiten Sie diese Information auch in Ihrem Umfeld weiter, wenn Sie eine Möglichkeit sehen!
Die Zustimmung zu unserer Petition wächst kontinuierlich und wir wissen, dass die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker das aufmerksam beobachten. Aber es gibt immer noch zu viele Menschen in Osnabrück, denen diese Planung und ihre negativen Folgen nicht bekannt sind. Jede Weiterleitung und jede zusätzliche Unterschrift ist wertvoll, um den Druck auf die Politik weiter zu erhöhen und diese Planung zu verhindern!
Zur Petition: http://www.openpetition.org/!hcyhc
Der folgende Brief ging an alle Ratsfraktionen und die Oberbürgermeisterin der Stadt Osnabrück:
Als Ärztinnen und Ärzte haben wir schon die Open Petition der Initiatve Kernstadt Osnabrück zur Erhaltung des Busknotens Neumarkt, der verkehrsberuhigten Johannisfreiheit und der Fußgängerzone Johannisstraße öffentlich unterschrieben.
Wir möchten uns in die weiterhin andauernde Debate bewusst mit gesundheitsbezogenen Argumenten einschalten. Diese sind aus unserer Sicht besonders für das Quartier um die Johannisfreiheit bedeutsam. Denn mit dem Marienhospital des Niels Stensen-Klinikums, dem Christlichen Kinderhospital und dem Hospiz – siehe Abbildung –
sind mehrere Institutionen betroffen, die hunderte von kranken Erwachsenen und Kindern behandeln und teilweise wochenlang begleiten! Noch liegen alle an der verkehrsberuhigten Johannisfreiheit ohne jeden Durchgangsverkehr, gewissermaßen in einer Ruhe-Oase in Osnabrücks Kernstadt.
Diese Situation würde sich drastisch ändern, wenn der Stadtratsbeschluss realisiert würde.
Denn er bedeutet:
- Bis zu 800 Busfahrten pro Tag durch die Johannisfreiheit. Selbst bei einer steigenden Zahl von E-Bussen würden für die kommenden Jahre noch Dieselbusse fahren, die nicht die EU-Abgasnorm VI d erfüllen. Damit werden weiterhin deutliche Mengen an Feinstäuben < 10my ausgestoßen, die nachgewiesenermaßen über die Atmung aufgenommen werden und krankmachend sind für Lunge, Herz, Gehirn der Betroffenen und auch der Ungeborenen über die schwangeren Mütter.
- Besonders für stationäre Patienten steigt die Lärmbelastung auch bei E-Bussen, die teilweise mit Klingelton fahren müssen, um sich bemerkbar zu machen – dies ist schon jetzt auf der Johannisstraße zu erleben. Mit hupenden Bussen in drohenden Gefahrsituationen muss ebenfalls gerechnet werden. Auch das Anfahren und Bremsen hunderter Busse an der geplanten Haltestelle auf der Johannisfreiheit und beim Abbiegen aus der Detmarstraße und in die Johannisstraße wird nicht geräuschlos sein. Keiner von uns weiß, wie sich dieser Lärm auf die gewünschte Gesundung von Erkrankten auswirkt.
- Die Unfallgefahr wird deutlich steigen! Denn durch die Johannisfreiheit werden weiterhin Radfahrer die offizielle Veloroute entlang der Johannisfreiheit nutzen genauso wie Fußgänger. Der Radverkehr müsste in Form eines 2-Richtungsradwegs neben der Einbahnspur für den Busverkehr geführt werden. Die Unfallgefahr wird noch dadurch erhöht, dass Fußgänger auch die Johannisfreiheit queren werden! Sie müssten dabei den Fahrverkehr auf 3 Spuren und aus 2 Richtungen berücksichtigen. Besonders bedeutsam wird dies für große und kleine Menschen mit Handicaps, die Gehhilfen, Rollatoren oder Rollstühle benutzen müssen, ferner die Familien mit Säuglingen und Kleinkindern in ihren Kinderwagen! Und dies nicht nur auf dem Weg in die Johannisstraße, sondern ein Teil von ihnen auch auf dem Weg in das zweite CKO – Verwaltungs- und Klinikareal, welches seit einigen Jahre hinter der Apsis der Johanniskirche liegt und das weiter ausgebaut werden soll. Entsprechende Anträge auch beim niedersächsischen Sozialministerium sind bereits gestellt.
Unser ärztliches Fazit gerichtet an alle Fraktionen des Stadtrats sowie die Oberbürgermeisterin Pötter lautet somit:
Ändern Sie den bis jetzt gültigen Stadtratsbeschluss vor, aber spätestens nach der Kommunalwahl, stimmen Sie für die Erhaltung des Busknotens Neumarkt mit Busspuren in beide Richtungen und sichern Sie damit die verkehrsberuhigte Johannisfreiheit!!"
Unterzeichner:
Dr. Susanne Büsing, Kinder- und Jugendärztin, Diabetologin
Reinhard Fedeler, Facharzt Allgemeinmedizin i.R.
Dr. Christian Franke, Facharzt Allgemeinmedizin
Dr. Brigitte Fründ, Fachärztin Allgemeinmedizin i.R.
Dr. Rainer Grove, Internist und Kardiologe i. R.
Dr. Hanno Läer, Orthopäde i.R.
Dr. Thomas Lob-Corzilius, Kinder- und Jugendarzt, Umweltmediziner i.R.
Dr. Josef Meentken, Unfallchirurg i.R
Prof. Dr. Karl-Ernst von Mühlendahl, Kinder- und Jugendarzt, Umweltmediziner i.R.
Dr. Michael Ollefs, Kinder- und Jugendarzt i.R
Dr. Annette Schneide-Grove, Ärztin i.R
Dr. Ekkehard Thiele, Kinder- und Jugendarzt i.R.
Dr. Renate Vestner-Heise, Fachärztin für Allgemeinmedizin
Dr. Gerd Werner, Internist und Geriater
